Ist der Spiritismus eine Sekte?

Manchmal lesen und hören wir, der Spiritismus sei eine Sekte. Die folgende Analyse will in diesem Fall bei der Frage „Ist der Spiritismus eine Sekte?“ Unterstützung geben. Sie beinhaltet eine Prüfung dieser Frage anhand einer Liste von Eigenschaften sektenhaften Gruppierungen (in den untenstehenden Zeilen nummeriert und in Kursiv), die dem Buch von Friedrich Wilhelm Haak: „Jugendsekten, Weinheim, 1991 S. 13-15“ entnommen wurden. Sollten Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns persönlich.

 

  1. Schon der erste Kontakt mit der Gruppe eröffnet Dir eine völlig neue Weitsicht („Schlüsselerlebnis“).

Wie bei allen seriösen Lehren, bedarf es bei der spiritistischen Lehre der Geduld, der Studie der spiritistischen Literatur und der eigenen Anstrengungen, um die Gesamtheit seiner Grundsätze und seiner Weltanschauung zu begreifen. Man wird dazu ermutigt, all diese Grundsätze unter die Lupe der Vernunft zu nehmen, diese in Frage zu stellen und zu analysieren, bevor irgendetwas angenommen bzw. akzeptiert wird – wenn überhaupt. Allmählich kann man dann verstehen, wie diese Konzepte sich gegenseitig unterstützen und die Weltanschauung der spiritistischen Lehre begreifen.

 

2. Das Weltbild der Gruppe ist verblüffend einfach und erklärt wirklich jedes Problem.

Es wäre naiv zu denken, dass irgendeine Lehre mit der Absicht, den Sinn des Lebens zu erklären und die wesentlichen Fragen der Menschheit Antwort zu geben, einfach wäre. Als eine wahre Wissenschaft muss die spiritistische Lehre tiefgründig studiert werden, damit man auf das Verständnis der spiritistischen Weltanschauung gelangt.

 

3. Bei der Gruppe findest Du alles, „was Du bisher vergeblich gesucht hast“.

Es hängt davon ab, „was Du bisher vergeblich gesucht hast“. Falls dies die Antworten für die wesentlichen Fragen der Menschheit ist, wie z. B., „Wer bin ich?“, „Wozu bin ich geboren?“, „Was ist der Sinn des Lebens?“, „Gibt es Leben nach dem Tod?“, „Woher bin ich gekommen?“, „Wohin werde ich gehen?“, „Gibt es einen Gott?“, „Warum leidet der Mensch?“, werden Sie wirklich in der spiritistischen Lehre die Gelegenheit haben, diese zu finden. In den Gruppen und in der Lehre können Sie auch Trost, Hilfe und Beistand für Ihre eigenen Probleme finden.

 

4. Die Gruppe hat einen Meister/Führer/Guru/Vordenker, der allein im Besitz der ganzen Wahrheit ist und oft wie ein Gott verehrt wird.

Die spiritistische Lehre hat keinen „Meister/Führer/Guru/Vordenker“. Sie hat eine Wissenschaft als Grundlage, die auf die Erkenntnisse der spiritistischen Forschung und deren Forschungsprogramm begründet ist. Sie erkennt die christliche Moral als Leitfaden zu der sicheren Entwicklung aller Menschen und ihre Praxis zugleich als die Lösung für alle menschlichen Probleme und das zu erreichende Ziel der Menschheit. Die Grundwerke der spiritistischen Lehre sind nicht die Arbeit eines einzigen Menschen, sondern von mehreren beteiligten Menschen und von einer Gruppe erhabener „Geistwesen“. Diese wurden unter einem statistischen Kriterium verfasst. Allan Kardec war nur der „Erfasser“ dieser Werke, in dem er ihr Form gegeben und sie organisiert hat, wie er selbst unermüdlich zu behaupten pflegte.

 

5. Die Welt treibt auf eine Katastrophe zu, nur die Gruppe weiß, wie man die Welt noch retten kann.

Der spiritistischen Lehre nach ist die Erde auf dem Wege zur ständigen Verbesserung. Sie lehrt aber auch, dass diese von der Verbesserung der einzelnen Menschen abhängig ist. Der Mensch ist unabdingbar dem Gesetz des Fortschritts unterworfen. Durch die spiritistische Lehre kann sich der Mensch bessern und damit eine bessere, glücklichere und faire Gesellschaft schaffen. In dieser Hinsicht erkennt die spiritistische Lehre alle Bemühungen für die Praxis des Guten, arbeitet für die Verbrüderung und für den Frieden zwischen allen Völkern und Menschen, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Staatsangehörigkeit, Glaube, Gesellschaftsschicht oder Kultur.

 

6. Die Gruppe ist die Elite, die übrige Menschheit ist krank/verloren – wenn sie nicht mitmacht bzw. sich retten lässt.

Die spiritistische Lehre ist pluralistisch und hat weder das Interesse noch die Absicht, die Wahrheit als Privileg zu haben. Sie hat als Grundsatz: „Außerhalb der Nächstenliebe kein Heil“. Und Nächstenliebe kann überall ausgeübt werden – natürlich auch außerhalb des Spiritismus. Darüber hinaus wird aus der Sicht der spiritistischen Lehre keine Gruppierung die absolute Wahrheit haben können, zumal der Mensch noch nicht in der Lage ist, alles zu verstehen. Die spiritistische Lehre ist als Wissenschaft eine progressive Lehre und hat in ihrem harten Kern wesentliche Prämissen. Diese sind: Existenz und Güte Gottes, Existenz und Unsterblichkeit des Geistes bzw. der Seele, Möglichkeit der Kommunikation zwischen den Geistern und den „Lebenden“, Mehrheit der menschlichen Leben (Reinkarnation) und die Pluralität der bewohnten Welten. Sie bleibt dennoch für nach ihrem Forschungsprogramm vorgesehene weitere Entwicklungen offen.

 

 

7. Die Gruppe lehnt die etablierte Wissenschaft ab. Die Lehre der Gruppe wird als einzig „wahre Wissenschaft“ verstanden.

Die spiritistische Wissenschaft ergänzt die akademische Wissenschaft in der Studie des spirituellen Elementes. Sie lehnt die etablierte Wissenschaft nicht ab.

 

 

8. Die Gruppe lehnt das „rationale Denken“, „den Mind“, den „Verstand“ oder die „Verkopfung“ als negativ/satanisch/ unerleuchtet ab.

Der Spiritismus hat diesbezüglich den folgenden Ansatz als eines seiner Hauptmottos: „Unerschütterlicher Glaube ist nur solcher, der sich der Vernunft in allen menschlichen Zeiten gegenüberstellt.“ Laut spiritistischer Lehre soll man also alles in Frage stellen und prüfen, auch die spiritistische Lehre selbst. Jesus sagte: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes VIII, 32)

 

 

9. Kritik und Ablehnung durch „Außenstehende“ ist gerade der Beweis, dass die Gruppe Recht hat.

Kritik, analytisches Denken und offene bzw. öffentliche Debatten sind sehr erwünscht. Beleg dafür ist die Anzahl von Akademikern und Gelehrten der Vergangenheit und der Gegenwart, die sich für den Spiritismus ausgesprochen haben und auch öffentliche Debatten willkommen geheißen haben. Unter diesen können Namen genannt werden, wie Prof. Karl Friedrich Zöllner, Dr. Karl Du Prel, Dr. A. Freiherr von Schrenck-Notzing, Dr. Justinus Kerner, Sir William Crookes, Sir Oliver Lodge, Sir Arthur Conan Doyle, Prof. Alfred Russel Wallace, Camille Flammarion, Ernesto Bozzano, Prof. Cesare Lombroso, Alexander Aksakow, Prof. Werner Schiebeler, Prof. Raul Teixeira, Prof. Sergio Felipe de Oliveira.

 

 

10. Die Gruppe bezeichnet sich als die „wahre“ Familie oder Gemeinschaft.

Die spiritistischen Gruppen haben weder das Interesse noch die Absicht, die Familie oder jegliche Gemeinschaft zu ersetzen. Ganz im Gegenteil: Was die Gruppen unterstützen, sind die Bemühungen und Anstrengungen ihrer Mitglieder, ein Leben mit Integrität, Ethik, Würde, Ehrlichkeit, Nächstenliebe und in Harmonie mit der Familie und der Gesellschaft zu führen.

 

 

11. Die Gruppe will, dass Du alle „alten“ Beziehungen (Familie, WG, Freundschaften) abbrichst, weil sie Deine „Entwicklung“ behindern.

Die spiritistische Lehre erkennt die Familie als die Grundlage zur Evolution bzw. zur Entwicklung des einzelnen Menschen an. Ausgehend von diesem Gedanken möchte sie das Leben in der Familie fördern und unterstützen.

 

12. Die Gruppe grenzt sich von der übrigen Welt ab, zum Beispiel durch Kleidung, Ernährungsvorschriften, eine eigene „Gruppensprache“, Reglementierung von zwischenmenschlichen Beziehungen.

Die spiritistische Lehre und die spiritistischen Gruppen grenzen sich bewusst von allen diesen Praktiken ab. Was die eigene „Gruppensprache“ anbelangt ist aber zu erwähnen, dass es zur Bezeichnung neuer Dinge neuer Worte bedarf. Dies ist ein Gebot der Klarheit, wenn man der Verwirrung entgehen will, die mit der Vieldeutigkeit der nämlichen Ausdrücke notwendigerweise verbunden ist. Mit allen neuen Wissenschaften sind Begriffe entstanden, um die Gegenstände ihrer Studienbereiche erklären zu können (die so genannten Fachsprachen). Und die spiritistische Wissenschaft ist eine solche Wissenschaft, die die geistige Welt zu erforschen versucht. Außerdem gibt es Spiritisten weltweit, die stets bemüht sind, die Grundwerke der spiritistischen Lehre in die jeweilige Sprache des Landes zu übersetzen. Heutzutage sind spiritistische Bücher in fast allen Sprachen der Welt zu finden.

 

 

13. Die Gruppe verlangt strikte Befolgung der Regeln oder „die absolute Disziplin, denn dies ist der einzige Weg zur Rettung!“

Die spiritistische Lehre ist ein Wegweiser. Sowohl sie als auch die spiritistische Bewegung pflegt den freien Willen des Menschen unangetastet zu halten. Sie lehrt, dass der Mensch den freien Willen besitzt und Verantwortung für die Folgen seiner Taten trägt. Sie bürdet ihre Prinzipien den Interessierten und Gruppenmitgliedern nicht auf, sondern lädt sie ein, diese Grundsätze zu überprüfen und unter die Lupe der Logik und der Vernunft zu nehmen.

 

 

14. Die Gruppe schreibt Dir Dein Sexualverhalten vor, zum Beispiel: Partnerzusammenführung durch die Leitung der Gruppe, Gruppensexualität oder totale Enthaltsamkeit für einfache/neue Mitglieder.

Das Sexualverhalten jedes Mitgliedes einer spiritistischen Gruppe betrifft selbstverständlich seine Privatsphäre und bleibt als solche unangetastet.

 

 

15. Du bist keine Minute des Tages mehr allein – jemand aus der Gruppe ist immer bei dir.

Das Privatleben der Mitglieder bleibt unberührt. Sie sind auf keine Weise gezwungen, an Gruppenaktivitäten teilzunehmen oder in den Gruppen zu bleiben. Es gibt keine Kontrolle oder ähnliches und alle Gruppentätigkeiten sind freiwillig und kostenfrei.

 

 

16. Die Gruppe füllt Deine gesamte Zeit mit Aufgaben aus, zum Beispiel: Verkauf von Büchern und Zeitungen, Werben neuer Mitglieder, Absolvieren von Kursen, Meditationen

Ein Spiritist soll in einem spiritistischen Zentrum immer ehrenamtlich und freiwillig arbeiten. Er soll, wie auch jeder Katholik usw., seinem Beruf nachgehen und seine Freizeit ganz nach seinem Ermessen gestalten. Die spiritistische Lehre schreibt die Teilnahme an den Aktivitäten der Vereine nicht vor.

 

 

17. Zweifelst Du / stellt sich der versprochene Erfolg nicht ein oder wirst Du nicht „geheilt“, bist Du selbst schuld, weil Du Dich nicht genug einsetzt/weil Du nicht genug glaubst. Mitglied der Gruppe sollst Du möglichst sofort/gleich heute werden.

Zweifel sind erlaubt und sogar erwünscht, denn das Gespräch über Zweifel ermöglicht den erforderlichen Abgleich von Lehre, Vernunft und persönlicher Erfahrung. Es ist üblich und völlig in Ordnung, dass es in der Gruppe zu bestimmten Fragen verschiedene Ansichten gibt. Suchen Sie Antworten, werden Sie eingeladen, auf das Thema tiefer einzugehen und mögliche Antworten in Frage zu stellen, bis Sie eine überzeugende Antwort gefunden haben – oder nicht. Es gibt keinen Zwang und keine Verpflichtung die spiritistische Lehre als Ganzes oder auch als Teil zu akzeptieren. Und es gibt auch keine Maßstäbe zur Heilung oder zum Erfolg. Auch wird niemand gezwungen, sofort Mitglied irgendeiner bestimmten Gruppe zu werden.

 

 

18. Es gibt kaum eine Möglichkeit, sich in Ruhe ein Bild von der Gruppe zu machen: Du sollst nicht erst einmal nachdenken/ reflektieren/ prüfen, sondern erleben: Das kann man nämlich nicht erklären, „komm doch gleich in unser Zentrum und mach erst mal mit!“

Die Türen der spiritistischen Vereine sind stets offen für alle (einschließlich der Autoritäten des Landes, die auch herzlich eingeladen sind, diese kennen zu lernen). Wer Interesse hat an der spiritistischen Lehre, kann sich als erstes Informationen dazu holen und als passives Mitglied an den Treffen, Studien teilnehmen, solange er möchte. Jeder kann auch Hilfe in den spiritistischen Vereinen suchen, auch ohne Mitglied zu sein oder bevor er überhaupt an einer Gruppe teilnimmt.

 

 

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